MARTINA ZEROVNIK

Literatur- und Kulturwissenschaftlerin KURATORIN


2014-15

… diese idiotischen Untergangsjahre

Wilhelm Thöny als Regimentsmaler im Ersten Weltkrieg

Kriegsmaler (ein Wort aus dem sprachlichen Rüstzeug dieser idiotischen Untergangsjahre, das einer Analyse nicht standhält – denn den Krieg konnte man gottlob nicht malen).

Mit diesen Worten rekapitulierte Wilhelm Thöny seine Zeit als Regimentsmaler der Grazer Dreier-Schützen. Nachdem er sich 1915 freiwillig gemeldet hatte, schuf er zunächst Portraits für das von Kaiser Wilhelm II. beauftragte Mappenwerk „Die Feinde Deutschlands und seiner Verbündeten“; die Vorlage waren Kriegsgefangene in Lagern der Donaumonarchie. Sein einziges dokumentiertes Fronterlebnis hatte Thöny zu Beginn des Jahres 1917, als das Regiment am Monte Zebio stationiert war und er die Mitglieder des Stabs portraitierte und Darstellungen des Soldatenlebens anfertigte. Er vollendete die Arbeiten vermutlich im Atelier in Graz, ebenso wie die Gemälde der größten Schlachten der Dreier-Schützen im Ersten Weltkrieg.

Indem die Ausstellung die Werke in ihrem historischen Kontext erfasst, sie im Detail aufschlüsselt und um weitere Perspektiven (insbes. Fotografie, Literatur) ergänzt, macht sie diese einerseits für das Verständnis der Gegenwart und andererseits in komplexeren Zusammenhängen lesbar. Thönys Bilder sind Imaginationen von Heldentum, von Feindschaft, Soldatenalltag und Schlachten. Sie wirken wie „Stillleben“, die die Schrecken und Gräuel des Krieges (in manchmal auch melancholischer Weise) „verschweigen“. Die Ernüchterung vollzieht sich schließlich über die Erfahrung der realen Materialität der Waffen, die in die Sammlung des GrazMuseums eingingen. Diese erzählen – erschütternder als es Thönys Bilder vermögen – von der industrialisierten Material- und Massenschlacht, die der Erste Weltkrieg war.


Auftraggeber: GrazMuseum | Auftrag: kuratorische Konzeption und Begleitung der Umsetzung, Objektauswahl, Abwicklung Gestaltung und Grafik, Redaktion, Textproduktion


KuratorInnen: Otto Hochreiter, Annette Rainer, Martina Zerovnik | Militärhistorischer Experte: Wolfgang Leutzendorff | Projektleitung: Annette Rainer | Ausstellungs-
assistenz: Anna Reicht | Gestaltung: MVD Austria, Wien – Martin Embacher, Irina Koerdt, Michael Rieper, Sanja Utech | Technische Leitung: Christian Smretschnig | Ausstellungsdauer: 20.11.2014–31.08.2015 | zum GrazMuseum


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