MARTINA ZEROVNIK

Literatur- und Kulturwissenschaftlerin KURATORIN


2014

Königsmorde

Gewalttaten in der Donaumonarchie

Die Ermordung des Thronfolgers Erzherzog Franz Ferdinand, der im Palais Khuenburg, dem heutigen GrazMuseum, geboren wurde, wird nicht als singuläres Ereignis, sondern im Kontext der großen Zahl an Gewalttaten, die das 19. und beginnende 20. Jahrhundert erschütterten, betrachtet. Im Fokus stehen die Vorfälle in der Donaumonarchie. Die Ausstellung bringt die Opfer und Täter in Anlehnung an eine Familienaufstellung als ‚Figuren‘ in den Raum und erzeugt in Konzentration auf die dahinter liegenden Motive ein Spannungsfeld („psychopolitisches Drama“), in dem die (gesellschafts-)politischen Entwicklungen der Zeit und die daraus erwachsenden Konflikte sichtbar werden. Im Zentrum steht Kaiser Franz Joseph I., oberster Repräsentant der Monarchie und Oberhaupt der Dynastie Habsburg. Jede Figur zeigt in ihrer Ausformung einen eigenen Charakter, der zudem von einem Zitat unterstrichen wird. In der zum Standpunkt des Kaisers gesetzten Aufstellung nimmt sie eine Position im Familienverband und in der Geschichte ein. Umgeben von einer Auswahl an internationalen Attentaten und Anschlägen auf Herrschende und Regierende, die in Form von ‚Todesanzeigen‘ die Wände füllen, entsteht ein Stimmungsbild, das die Strömungen, Dynamiken und die wachsende Widerstands- und Aggressionsbereitschaft im Vorfeld des Ersten Weltkriegs zum Ausdruck bringt.


Auftraggeber: GrazMuseum | Auftrag: kuratorische Konzeption und Begleitung der Umsetzung, Abwicklung Gestaltung und Grafik, Redaktion, Textproduktion


KuratorIn: Otto Hochreiter, Martina Zerovnik | Assistenz: Anna Reicht | Gestaltung: MVD Austria – Martin Embacher, Irina Koerdt, Michael Rieper, Sanja Utech, Wien | Ausstellungsdauer: 30.04.2014–16.02.2015 | zum GrazMuseum


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